Chronik
bis heute
bis 1945
bis 1800
bis 1500
Personen
Sagen
Maria Elend

Nicolaus Dumba - Gönner und Förderer seiner Heimatgemeinde Tattendorf

 

Nachdem Nicolaus Dumba die Leitung der Baumwollspinnerei in Tattendorf übertragen wurde, erwählte er den Ort zu seinem Wohnsitz. Die Spinnfabrik kam 1853 nach einem Konkursverfahren an die Dumbas. Erbaut wurde sie zwischen 1826 und 1828 von Franz Girardoni. Sie war stark exportorientiert und beschäftigte im Jahre 1871 180 Arbeiter. Nach der Übernahme der Leitung der Fabrik wußte Nicolaus Dumba sich bald die Sympathien seiner Arbeiter zu gewinnen und war auch von der Bevölkerung Tattendorfs hoch geachtet. Wie auch schon zuvor für die Künstler Wiens, trat er auch hier als generöser Unterstützer in Erscheinung.

 

Ein besonderes Anliegen, das ihn auch als Mitglied des niederösterreichischen Landtages und Obmann des Schulausschusses beschäftigte, war es, den Kindern eine ordentliche Schulausbildung zu ermöglichen. Da das alte Schulhaus Tattendorfs in der Kirchengasse nach dem Reichsvolksschulgesetz von 1869 den Anforderungen nicht mehr entsprach, beschloß der Gemeinderat im Jahre 1872 das Haus Badner Straße Nummer 8, mitsamt den dazugehörigen Ackergrundstücken zu erwerben und das Haus vorerst provisorisch als Schule einzurichten. Die genannte Liegenschaft wurde daraufhin von Herrn Nicolaus Dumba um 8500 Gulden angekauft, der Gemeinde aber nur um 5500 Gulden übergeben. Den namhaften Betrag von 3000 Gulden leistete Dumba als Anteil für die Schule aus eigener Tasche. Zwölf Jahre später im Jahre 1884 fand eine Schulhausbaukommission statt. Von dieser Kommission, der auch Nicolaus Dumba angehörte, wurde beschlossen, hinter dem, seit 1872 in provisorischer Verwendung stehenden Schulhaus, im Garten, respektive in der dahinter liegenden Obstbaumschule, ein neues Schulhaus zu erbauen. Anfangs August 1884 wurde schließlich mit dem Bau des Schulgebäudes begonnen und noch im selben Jahre der Rohbau fertiggestellt. Die Einweihung des Neubaues fand am 23.Juli 1885 durch den Pfarrer und Obmann des Ortsschulrates, Herrn Adam Mally, statt.

 

In der Schulchronik ist dazu folgender Vermerk verzeichnet:

 

"Herr Nicolaus Dumba, Landtagsabgeordneter, Herrenhausmitglied und Fabriksbesitzer in Tattendorf hat der Geimeinde Tattendorf das neuerbaute und vollständig eingerichtete Schulhaus, dessen Herstellungskosten sich auf 7000 Gulden belaufen, zum Geschenk gemacht. Außerdem spendete er der Schule noch einen Lehrmittelkasten, ein Harmonium, ein großes Ölgemälde für die 2.Klasse - Christus am Kreuz darstellend - sowie sein eigenes Bild für das Lehrrnittelzimmer. Die Feier wurde eingeleitet durch einen feierlichen Gottesdienst, worauf sodann der Zug sich von der Kirche in die Schule in Bewegung setzte, unter Vorantragung der neuen Schulfahne, woselbst sodann die cerimonielle Einweihung stattfand. Der Obmann hielt eine sehr gediegene Rede über den Zweck des Schulhauses, worauf sodann Herr Nicolaus Dumba mit warm empfundenen Worten das Schulhaus der Gerneinde ins Eigentum übergab. Die Schuljugend im Verein mit der Tattendorf-Teesdorfer Sängerverbindung sang unter der Leitung des Oberlehrers Größinger die Ehre Gottes und mehrere andere Chöre, womit die öffentliche Feier beendet war. Mittags waren sämtliche offiziellen Teilnehmer des Festes Gäste des Herrn Nicolaus Dumba, Ortsschulrat, Lehrkörper und Gemeindevertretung. Nachmittags kam auch das Landesausschußmitglied Herr Dr. Lustkandl, besichtigte das Schulhaus und sprach sein Lob über die schöne und zweckmäßige Einrichtung desselben aus".



Sehr zugetan war Nicolaus Dumba der Tattendorfer Bevölkerung. Besonders den Jüngsten war er, dem selbst reicher Kindersegen versagt geblieben war, stets ein liebevoller Vater. Zu Weihnachten ließ er alljährlich für die Schulkinder einen Christbaum aufstellen und beschenkte alle Schüler mit Obst, Bäckerei und Spielwaren. Außerdem beteilte er noch die ärmsten Kinder mit Kleidungsstücken, Kleiderstoffen und Jugendschriften. Ferner spendete Dumba regelmäßig um den Schulklassen jährlich einen Ausflug zu ermöglichen, beziehungsweise um Lehrmittel für die Schule und die Schulbibliothek anzuschaffen (Schulchronik).

 

Die am 11.April 1864 dem Ehepaar Maria und Nicolaus Dumba geborene Tochter Irene, die ebenfalls ein edles, warmfühlendes Herz hatte, führte schon mit jungen Jahren die schönen Gepflogenheiten ihres Vaters fort. 1889 kaufte Fräulein Irene Dumba das alte Schulhaus in der Kirchengasse, das nach der Umsiedlung der Schule vorübergehend als Armenhaus genutzt wurde und ließ es zu einem Kindergarten umbauen. Am 10.Jänner des Jahres 1882 wurde der Kindergarten eingeweiht. Derselbe stand fortan unter der Leitung des jeweiligen Leiters der örtlichen Volksschule. Als Kindergärtnerin wurde die Klosterschwester Beatrix Mach angestellt. Auch für die Erhaltung des Kindergartens kam Irene Dumba bis zu ihrem Lebensende auf. Jährlich zu Weihnachten spendete auch sie einen Christbaum und beschenkte, wie ihr Vater, die Kinder mit Naschwerk, Spielzeug und Kleidungsstücken (Schulchronik). Auch beim Neubau einer Obstbaumschule in Tattendorf half Fräulein Irene Dumba mit. Die Gemeindevertretung widmete für diesen Zweck eine im Gemeindeaufeld gelegene Ackerparzelle und das Fräulein Dumba trug nicht nur die Herstellungskosten der Baumschule, sondern sie stellte auch die nötigen Arbeitskräfte zur Bearbeitung der Baumschule bei.




Freiwillige Feuerwehr Tattendorf 1879

Der Freiwilligen Feuerwehr Tattendorf,

dessen Gründungsmitglied er war, ließ er ein Gerätehaus erbauen, außerdem kaufte er verschiedenes Rüstzeug an, unter anderem eine fahrbare Dampfspritze. Eine Gedenktafel am Gebäude der freiwilligen Feuerwehr trägt die Inschrift: "Dem Gründer und Gönner der Feuerwehr - Nicolaus v. Dumba - von der Gemeinde Tattendorf gewidmet". Aus Anerkennung , seines Wirkens wurde Nicolaus Dumba bereits 1870 zum Ehrenbürger der Gemeinde Tattendorf ernannt.



Für die Ortskirche Tattendorf stiftete er einen Marienaltar, einen Tabernakel und ein farbenprächtiges Glasfenster. Dumba hat - trotz, daß er eigentlich Anhänger der griechisch-schismatischen Kirche war - dennoch regelmäßig am katholischen Gottesdienst teilgenommen und noch heute, beinahe einhundert Jahre nach seinem Tod, finden sich immer noch die Namensschilder von ihm sowie von seiner Familie in den vordersten Reihen der Kirchenstühle!

 

Im Jahre 1862 gründete Nicolaus Dumba gemeinsam mit zwei anderen sangesfreudigen Tattendorfern, nämlich Hubert Neumeyer und Johann Hieber, den "Triestinger Sängerbund". Die Mitglieder dieses Vereines rekrutierten sich außer aus Tattendorf noch aus den Ortschaften Leobersdorf, Schönau, Günselsdorf, Teesdorf, Oberwaltersdorf sowie Trumau. Im Jahre 1863 hatte sich auch Baden dem Verein, der sich von nun an "Eintracht" nannte, angeschlossen. 1864 löste sich der Verein wieder auf und es entstand daraus der "Badener Sängerbund" und die "Tattendorf -Teesdorfer Sängerverbindung" (Landesarchiv, Vereinskataster XV). Nicolaus Dumba lud aber auch oft befreundete Künstler auf seinen Wohnsitz in Tattendorf ein. Zu den bekanntesten zählten dabei keine geringeren als Brahms und Wagner. Besonders hervorzuheben ist, daß in Tattendorf im Jahre 1861 die allerersten Vorproben zu "Tristan und Isolde" stattfanden. Richard Wagner verweilte damals mehrere Tage hindurch als Gast von Nicolaus Dumba in Tattendorf. Nicht unerwähnt bleiben sollte, daß Dumba seine politische Laufbahn von Tattendorf aus begonnen hatte. Hier war er vom Jahre 1865 bis 1890 Mitglied des Gemeinderates. Während all dieser Zeit war er der einzige im Gemeinderat, der nicht gewählt werden mußte - er war allein von seiner Person her, automatisch nominiert. Im Jahre 1870 wurde Dumba von den Vertretern des Kreisamtes Wiener Neustadt, in dessen Geltungsbereich Tattendorf damals gelegen war, als Kandidat für den niederösterreichischen Landtag vorgeschlagen und zog in diesen als liberal-nationaler Abgeordneter ein.

 

Nach dem Tode Dumbas widmete ihm die Gemeinde Wien ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof und benannte nach ihm die an der Stirnseite des Musikvereinsgebaudes vorbeiführende Straße.


Die Gemeinde Tattendorf legte anlaßlich des Leichenbegangnisses am 27.Marz 1900 einen Kranz, mit der Inschrift "Die Gemeinde Tattendorf – ihrem unvergeßlichen Wohltäter". An dem Begräbnis beteiligten sich die Gemeindevertretung, der Ortsschulrat, die Schulleitung, der Herr Pfarrer, die Freiwillige Feuerwehr und das landwirtschaftliche Casino Tattendorf (Schulchronlik von Tattendorf, März 1900). Nach Dumba sind in Tattendorf der Dumba-Park, der Dumbaplatz sowie seit wenigen Jahren die auf dem Gelände der ehemaligen Spinnfabrik gelegene Dumbastraße benannt. Nicolaus Dumba zählte zu den reichsten Mannern Wiens. Seine Hinterlassenschaft wurde einschließlich der Kammgarnspinnerei in Tattendorf und der ausgedehnten Güter in Rumänien, nach dem damaligen Zeitwert, auf neun bis zehn Millionen Gulden geschatzt. (Neue Freie Presse, vom 24. Mürz 1900, S.4).

 

Als Zeichen seiner Dankbarkeit für die "Treue Anhänglichkeit und Freundschaft" des Wiener Männergesangvereins vermachte Dumba diesem einen Betrag von 50.000 Gulden. "...denn ich will, daß dieser vortreffliche, künstlerisch fühlende Verein ohne Existenz-Sorgen seine künstlerischen und humanen Zwecke verfolge", schrieb er in seinem Testament. Die Zinsen dieser Summe sollten als "Dumbafonds" den Zwecken des Vereines gewidmet werden. Es war Dumbas letzter Wille, daß der Männergesangverein bei seinem Begräbnis einen Chor von Schubert singe und, daß zur Erinnerung an ihn "von Zeit zu Zeit ... eine musikalische Aufführung in einer Kirche veranstaltet werde". Dieser Wunsch wurde Nicolaus Dumba erfüllt. Bis heute wird fast jedes Jahr eine "Dumba-Messe" gefeiert, deren musikalischer Teil vom Männergesangverein bestritten wird. Seit Herbst 1981 hat der Verein im Musikvereinsgebäude einen eigenen Proberaum innerhalb seines Büros, der zum Gedenken an den Mann, dem der Männergesangverein so viel zu verdanken hat, "Dumbasaal" genannt wird.

 

Der Gemeinde Tattendorf hinterließ Dumba einen Betrag von 4.000 Gulden, den Armen von Tattendorf vermachte er 200 Gulden (Anm.: In der Schulchronik von Tattendorf wird die doppelte Summe genannt!). Zur Universalerbin des Vermögens hatte Nicolaus Dumba seine einzige Tochter Irene eingesetzt. Sie übernahm damit nach den Tode ihres Vaters auch die Besitzungen in Tattendorf. Wie ihr Vater hatte auch sie ein warmfühlendes, edles Herz. Nicolaus Dumba schrieb in seinem Testament, daß er mit Irene bloß ein einziges Mal Kummer hatte. Dies war im Jahre 1887, als sie lebensgefahrlich erkrankte.Wie sehr auch sie der Bevölkerung Tattendorfs nahegestanden hatte, zeigt die folgende Eintragung in der Schulchronik, anläßlich ihrer Rückkehr im Frühjahr 1888: "Frl. Irene Dumba, welche durch eine schwere Krankheit genöthigt war ein milderes Klima über die Wintermonate aufzusuchen, kehrte am 1.Mai 1888 von Corfu wieder zurück. Aus diesem Anlasse erwartete der Lehrkörper mit der Schuljugend, der Ortsschulrath, die Gemeindevertretung und die Feuerwehr das Fraulein am Bahnhofe um demselben ihre Glückwünsche darzubringen. Die Schülerin Maria Holzer hielt eine warme Ansprache an das gnädige Früulein, worauf alle Schulkinder das Schullied "So sei gegrüßt" sangen".

 

Irene Dumba erholte sich zwar wieder von ihrem Leiden, wurde jedoch nie mehr richtig gesund. Zeitlebens laborierte sie an einem chronischen Lungenleiden. Dies mag wohl in erster Linie der Grund dafür gewesen sein, daß sie unvermählt blieb. Die letzten Lebensjahre verbrachte Irene Dumba in dem Schweizer Kurort Leysin im Kanton Waadt. Sie starb dort am 26. Marz 1920. Ihr Leichnam wurde nach Wien übergeführt und im Ehrengrab ihres Vaters am Zentralfriedhof beigesetzt. Marie Dumba überlebte ihre Tochter um sechzehn Jahre. Sie starb am 26. Oktober 1936 in Tattendorf und wurde drei Tage spater an der Seite ihres Gatten und ihrer Tochter bestattet. Marie und Irene setzten die edlen Intentionen Nicolaus Dumbas fort. Alle Gepflogenheiten, die zu seinen Lebzeiten bereits zur Tradition geworden waren – man denke nur an die Beteilung der Tattendorfer Kinder zu Weihnachten – wurden nach Dumbas Tod von den beiden Frauen in pietatvoller Weise aufrechterhalten.

 

Anläßlich Dumbas 100. Geburtstag am 24.Juli 1930 fand in Tattendorf am 29.Juli 1930 eine "Dumba-Gedenkfeier" statt. Dabei wurde im Schubertpark ein Gedenkstein errichtet um auch die Nachwelt an den Gönner und Förderer des Ortes zu erinnern.




Dumba-Gedenkstein im Schubertpark Tattendorf